Menschlichkeit mitten im Krieg: Die Vision Henry Dunants und die Rolle der Frauen

Es ist Juni 1859, als der Schweizer Henry Dunant auf seiner Geschäftsreise durch Norditalien plötzlich zwischen kämpfende Truppen gerät. Ein Bild des Grauens bietet sich ihm, als sich die überlebenden Soldaten nach geschlagener Schlacht zurückziehen: Die Erde ist bedeckt von blutenden Verwundeten und Sterbenden – und weithin keine Hilfe für die leidenden Menschen.
Dunant trommelt Hilfe zusammen, organisiert Räumlichkeiten. Es sind hauptsächlich Frauen, die die Verletzten pflegen, Verbandsmaterial zurechtschneiden, die letzten Worte der Sterbenden aufnehmen. Gleich, welcher Seite der Kämpfenden jemand angehört – für Dunant zählt der hilfebedürftige Mensch. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz ruft Henry Dunant die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ins Leben, die rasch weltweit Zustimmung findet.

Frauenvereine sind ein wichtiges Element der Bewegung. Bald bilden sich die ersten Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz. Die Initiative ergreifen großbürgerliche Frauen oder Adlige. Die Rotkreuzidee bietet ihnen neben dem humanitären Gedanken ein Fundament für zwei Ziele:

In den meisten Gründungsorten wird mit Chefärzten verschiedener Krankenhäuser ein Ausbildungsplan entwickelt. Die jungen Frauen werden dort theoretisch und praktisch, in erster Linie durch Ärzte, ausgebildet. Das Mutterhaus der Schwestern (-schülerinnen) am Stammsitz ist das Herz der Schwesternschaft – dort verbringen die Frauen einen großen Teil ihrer Freizeit, feiern im Kreis ihrer Kolleginnen, und es entwickelt sich ein reger Informationsaustausch.

Bereits kurz nach Gründung der ersten Schwesternschaften schaut man in die Zukunft:
Die ausgebildeten Krankenschwestern sollen vorbereitet werden, künftig Leitungsaufgaben zu übernehmen.
1903 wird daher die erste "Oberinnenschule" vom Deutschen Roten Kreuz gegründet. Um die Versorgung der Schwestern bei Krankheit und im Alter zu sichern, entsteht 1904 der "Schwesternversicherungsverein". Mit den Leistungen aus dieser Versicherung soll der Ruhestand der Schwestern finanziell abgesichert werden. Er existiert heute noch und bietet den pensionierten Rotkreuzschwestern eine kapitalgedeckte Zusatzrente, die sich in vieler Hinsicht von den öffentlichen Zusatzversorgungskassen positiv unterscheidet.

Die Entwicklung der DRK Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e. V.

Die Wurzeln unserer Schwesternschaft reichen fast bis zu den Anfängen zurück.
In ihrer heutigen Form besteht sie seit 1987.

Im 19. Jahrhundert gehört die Pfalz politisch zu Bayern. Dort wird 1872 die Schwesternschaft vom Roten Kreuz in München gegründet. Ihre Schwestern werden in der Pfalz eingesetzt. Bereits ein Jahr später sind die Schwestern so fest in der Struktur der Pfalz verankert, dass ein geschichtsträchtiges Ereignis stattfindet: Die Mühlenbesitzerin Philippine Sauter aus Neustadt schenkt der Schwesternschaft einen großzügigen Neubau. Dieser soll nach Wunsch der Stifterin als Asyl für Krankenpflegerinnen und als Hospiz zur Aufnahme von Kranken und Verwundeten genutzt werden. Das Gebäude wird die erste eigene Außenstation der bayrischen Rotkreuz-Schwesternschaft – das Mutterhaus in Neustadt.

Bald leisten Rotkreuzschwestern in wichtigen Einrichtungen wie dem städtischen Krankenhaus Kaiserslautern oder dem städtischen Krankenhaus Neustadt ihren Beitrag zur Gesundheitsversorgung. Die Arbeitsfelder dehnen sich so rasch aus, dass schließlich die erste eigene Oberin der Pfalz eingesetzt wird. Rosemarie von Felitz übernimmt die Verantwortung für die pfälzischen Rotkreuzschwestern und führt die Schwesternschaft Richtung Selbstständigkeit. Im Jahre 1942 beschließt das Präsidium des DRK die Neuaufteilung der Arbeitsgebiete. Die neue Schwesternschaft Pfalz wird gegründet.

1987 wird die Schwesternschaft Pfalz mit der 1912 gegründeten Schwesternschaft Saarland zusammengelegt. Die heutige DRK Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e. V. ist entstanden.

schwester_mit_kind_20erjahre1
historisch-lazarett-1